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Erste urkundliche Erwähnung der Stadt

Das Gebiet am Zusammenfluss der Flüsse Labe (Elbe), Úpa (Aupa) und Metuje (Mettau) war bereits vor über 40.000 Jahren in der Zeit des sog. Jungpaläolithikums besiedelt. Die erste historisch belegte Erwähnung der Stadt ist erst mit dem Jahre 1126 datiert, als sich an der Stelle der Kirche St. Nikolaus eine vom Přemysliden-Fürsten Jaromír gegründete Burg befand. Als Stadt wurde der Ort erstmals im Jahre 1298 in der Zeit der Herrschaft des böhmischen Königs Wenzel II. (Václav II.) erwähnt, nachdem die Burgstätte wahrscheinlich durch König Přemysl Ottokar II. in den Rang einer königlichen Stadt erhoben worden war, die ab dem Jahre 1307 der Gemahlin des Königs Wenzel II., Elisabeth Richza von Polen, als sog. Leibgedingstadt der böhmischen Königinnen gehörte.

 

Königliche Leibgedingstadt Jaroměř

Zu Beginn der Hussitenkriege stand die vom deutschen Patriziat verwaltete, königliche Stadt auf der Seite des Königs und römischen Kaisers Sigismund von Luxemburg. Als jedoch am 6. Mai 1421 das Hussitenheer mit Jan Žižka von Trocnov an der Spitze gegen die Stadt anrückte, blieb den Bürgern nicht anderes übrig, als sich der Treue gegenüber dem Kelch zu unterwerfen. Auf der Seite der Kelchkommunion stand Jaroměř bis zur schicksalsschweren Schlacht bei Lipan. Zwei Jahre nach der mit einer Niederlage endenden Schlacht unterwarf sich die Stadt erneut dem Kaiser Sigismund, der sie im Jahre 1437 seiner Gemahlin Barbara zum Geschenk machte. Die während der Hussitenkriege erstarkte Stadt wollte auf ihre Privilegien nicht verzichten und sich der Königin nicht gefügig machen, die Jaroměř daher im Jahre 1445 entrüstet an Georg von Podiebrad (Jiří z Poděbrad) verpfändete. Zum Gedenken an die der Königin zugefügte Schmach erhielt Jaroměř ein neues Wappen, indem die Stadt anstelle der ursprünglichen Darstellung eine von einer doppelten Dornenkrone umwundene Löwin als Zeichen verwenden musste.

 

Renaissance, Barock, Matthias Bernhard Braun

Zum Ende der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Jaroměř durch einen Brand bis auf die Grundmauern zerstört und blieb auch von der zu jener Zeit nicht ungewöhnliche Pestepidemie nicht verschont. Dennoch entstanden in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, der die Stadt durch große Schäden und Verluste in Mitleidenschaft zog, somit in der Blütezeit der Renaissance- und Barockkultur, zahlreiche Bauwerke und Kunstdenkmäler. An die Renaissancearchitektur erinnert uns ein wenig das Gebäude des Rathauses, welches in späterer Zeit leider umgebaut wurde und daher vom Stil her nicht einheitlich ist. Stark geprägt wurde das Antlitz der Stadt Jaroměř durch barocke Darstellungen, zu denen die Mariensäule oder die Statue er weinenden Frau auf dem Friedhof in Jaroměř gehört, die dem Werk des Bildhauers Matthias Bernhard Braun zugeschrieben wird, und nicht zuletzt auch der Schmuck der gotischen Kirche St. Nikolaus, deren Hauptaltar der hiesige Künstler Matěj Krupka erschuf.

 

Festungsstadt Josefov (Josefstadt)

In der Zeit der von der Aufklärung in den Bann gezogenen Herrscher erlebten die Böhmischen Länder nicht nur große Reformen, sondern es bestand auch die Bedrohung durch eine allfällige preußische Expansion. Die Herrscherin Maria Theresia verlor Schlesien und Glatz (Kladsko), wo sich die Verteidigungslinie des Nordens der Böhmischen Länder befand. Der Verlust musste durch die Errichtung neuer Festungen ersetzt werden, was für Jaroměř eine Zeit des Umbruchs nach sich zog, als im unweit gelegenen Dorf Ples eine Festung entstand, deren Errichtung binnen kurzer Zeit das Antlitz der Landschaft veränderte, wobei die umfangreichen Bauarbeiten insbesondere das Bett der Flüsse änderte, indem auch ihr Zusammenfluss gänzlich verlegt wurde. Am 3. Oktober 1780 in Anwesenheit des Kaisers Josef II. der Grundstein gelegt, wobei das Bauvorhaben binnen unglaublicher sieben Jahre fertiggestellt und dem Landesbefehlshaber in Böhmen feierlich übergeben wurde. Vier Jahre nach der Fertigstellung des Bauwerkes, im Jahre 1791, wurde die Festungsstadt in den Rang einer freien königlichen Stadt erhoben, während die Festung zwei Jahre später, im Jahre 1793, unter der Herrschaft des Kaisers Franz II. in Josefstadt (Josefov) umbenannt wurde. Das Josefstädter Stadtwappen wurde der Stadt durch Ferdinand V. am 3. März 1836 verliehen.

Die Festung stellte seinerzeit einen der Höhepunkte des Festungsbaus dar, dennoch wurde sie nie angegriffen, indem ihr die preußischen Truppen im Jahre 1866 einfach auswichen, sodass ihr Festungsstatus im Jahre 1888 aufgehoben wurde.

 

Erster Zug in der Bahnstation Jaroměř-Josefov

Im neuzehnten Jahrhundert, im sog. Jahrhundert des Dampfes, entwickelten sich in Jaroměř die Industrie und der Unternehmergeist, was die Verbesserung und Vervollkommnung der der Verkehrsverbindungen erforderte. In dieser Hinsicht war es bestand die Absicht in der Errichtung einer Bahnstrecke. Bedingung des Bauvorhabens war, dass der Bahnhof und ein Teil der Strecke der direkten Verteidigung und somit den Josefstädter Geschützen diente. Der erste Zug fuhr in die Bahnstation am 27. Oktober 1857 ein und bereits am 4. November wurde der regelmäßige Verkehr zwischen dieser Station und Pardubice aufgenommen.

 

Errichtung der neuen Schule Na Ostrově (Auf der Insel)

Das bedeutendste Ereignis jener Zeit war das Revolutionsjahr 1848. Wie in anderen Städten, entstand auch hier die Nationalgarde. Der Revolutionszeit wurde mit der Verkündung des Belagerungszustandes über ganz Jaroměř ein Ende gesetzt. Unmittelbar darauf erfolgte die Auflösung der Nationalgarde. Die Josefstädter Festung spielte in diesen Jahren eine unwürdige Rolle, die Rolle eines schweren Gefängnisses. Das 19. Jahrhundert ist nicht nur ein schwarzes Kapitel in der Geschichte von Jaroměř. Im Jahre 1885 wurden das neue Schulgebäude Na Ostrově (Auf der Insel) und die neue Zufahrtsstraße mit der neuen Brücke über die Elbe errichtet.

 

Kriegsjahre

In der Zeit nach dem Attentat von Sarajewo verkündete Österreich-Ungarn die totale Mobilisierung, sodass Jaroměř von den Truppen zum Zwecke der Ausbildung der Wehrpflichtigen völlig überflutet wurde. Der Kriegsverlauf und die Misserfolge der österreichischen Heere auf dem Schlachtfeld hatten hier die ständige Polizeiaufsicht zur Folge. Das Kriegsende wurde schließlich von einer Epidemie der sog. spanischen Grippe begleitet. Von den aus Jaroměř stammenden Wehrpflichtigen, die auf den Kriegsschauplätzen des Ersten Weltkrieges kämpften, fielen 218, darunter 38 Josefstädter. Nicht vergessen werden sollte auch der ausländische Widerstand, wobei 92 Männer den französischen, italienischen und russischen Legionen beitraten. An die Kriegsjahre erinnern uns auf Dauer die beiden herrlichen Linden auf dem Josefstädter Marktplatz. Sie wurden am 2. Dezember 1914 zu Ehren der 66 Jahre dauernden Herrschaft Ihrer Hoheit, des Kaisers und Königs Franz Josef I., gepflanzt.

 

Nachkriegsjahre

Gleich nach dem Krieg und der Entstehung des ersten souveränen Staates am 28. Oktober 1918 wurde hier der Bezirks-Nationalausschuss konstituiert, woraufhin die tschechischen Offiziere die deutschen von ihren Funktionen absetzten. Daher waren für die Bürger der Stadt Jaroměř die Auflösung des hiesigen Nationalausschusses im Dezember des Jahres 1918 und die Abtretung seiner Rechtsbefugnisse an die Hauptmannschaft in Dvůr Králové eine herbe Enttäuschung. Jaroměř war jedoch auch weiterhin um die Stellung einer Bezirksstadt bemüht. Teilweise wurden diese Bestrebungen mit der Errichtung des Selbstverwaltungsbezirkes Jaroměř erfüllt, welcher jedoch bereits im Jahre 1929 mit dem politischen Bezirk Hradec Králové (Königgrätz) zusammengelegt wurde. Dieser Zustand blieb bis zum Jahre 1945 unverändert, als Jaroměř im Oktober endlich Bezirksstadt wurde. Am 30. Juni 1960 wurde jedoch dieser Status im Rahmen der Restrukturierung der staatlichen Verwaltung erneut aufgehoben, wobei das Gebiet unter den Bezirksämtern in Hradec Králové und Náchod aufgeteilt wurde. Die zwanziger Jahre waren in Jaroměř von einem stürmischen Baugeschehen begleitet, welches jedoch zu Beginn der 30er Jahre beinahe bis auf den Gefrierpunkt abflaute und von der Zeit der Krise abgelöst wurde. Dennoch bereicherte die Zwischenkriegszeit die Stadt nicht nur um viele Bauwerke, sondern auch um zahlreiche Künstler, deren Namen mit Jaroměř direkt verknüpft sind. Nach dem Abklingen der Krise in der zweiten Hälfte der 30er Jahre nahte jedoch eine neue Gefahr in Gestalt des deutschen Faschismus.

 

Deutsche Okkupation

Die ersten deutschen Besatzungstruppen rückten in Jaroměř am 15. März 1939 gegen sechs Uhr morgens ein. Zum Kommandeur der Stadt wurde der Wehrmachtsoffizier Major Konopatzki ernannt. Viele Männer vermochten sich mit der Okkupation nicht abzufinden, sodass beschlossen, ihr Vaterland zu verlassen und im Ausland für die Freiheit zu kämpfen. Die erste Einheit der Alliierten auf dem Gebiet unserer Stadt war die amerikanische Militärmission am 8. Mai 1945, jedoch musste die Stadt auf die endgültige Befreiung durch die Rote Armee noch einige Tage warten. An die Namen aller Bürger der Städte Jaroměř und Josefov, die in jenen Tagen fielen und starben, erinnern die Bronzetafeln am Denkmal der Befreiung neben dem Stadttheater.

 

Zusammenschluss der Städte Josefov und Jaroměř

Die schrittweise Ausdehnung der Städte Jaroměř und Josefov fand im Jahre 1948 ihren Höhepunkt, als diese beiden eigenständigen Städte zu einem Ganzen zusammengeschlossen wurden. Bestandteil der Stadt Jaroměř wurden auch die ehemaligen Gemeinden Dolní Dolce und Jezbiny. Dieser Status wurde durch den Landes-Nationalausschuss in Prag am 19. Oktober 1948 bestätigt.